Vulkan, Vulkane und Vulkanismus

Vulkane, Vulkanismus und die Folgen von Vulkanausbrüchen

von Ulrike Köhler

1.2. Der Durchbruch

1751 entdeckte dann der französische Forscher Jean-Etienne Guettard bei einer Wanderung nach Vichy am Straßenrand einen merkwürdigen schwarzen Markierungsstein, den er bei näherer Betrachtung als vulkanische Lava identifizierte. Im weiteren Verlauf seiner Reise stieß er dann in Dörfern der Auvergne ständig auf Häuser, die aus eben diesem Gestein erbaut waren.
Guettard schien es undenkbar, dass alle diese Steine von dem ihm nächsten bekannten Vulkan, dem Vesuv, hierher transportiert worden waren. Diese Überlegung brachte ihn auf den Gedanken, dass es im Süden Frankreichs einst aktive Vulkane gegeben haben müsste. Bei seinen Nachforschungen im Dorf erfuhr er, dass das betreffende Gestein aus den Steinbrüchen des Dorfes Volvic südlich von Vichy stammte.
Guettard, der Latein beherrschte, vermutete, der Name des Dorfes sei nichts anderes als die Zusammenziehung des lateinischen Begriffs volcani vicus – Vulkandorf. Je näher er dem Dorfe Volvic kam, umso häufiger begegnete ihm das schwarze Gestein, bis in einem Dorf, das 6 Kilometer von Volvic entfernt lag, sämtliche Häuser daraus bestanden. Im Steinbruch von Volvic angekommen erkannte Guettard, dass die Gesteinsmasse, aus der die schwarzen Blöcke herausgehauen wurden, nichts anderes war als ein erkalteter Lavastrom. Dieser schien von höherem Gelände herabgeflossen zu sein, wie Guettard vermutete von einem vom Steinbruch aus sichtbaren Granitrücken.
Als Guettard und sein Begleiter den hinter diesem Rücken liegenden Hügel, der auffallend symmetrische Flanken sowie die abgeflachte Spitze eines Vulkankegels zeigte, erklommen hatten, bemerkten sie unter ihren Füßen zwischen porösen Lavabrocken roten und schwarzen Bimsstein – typisches Vulkangestein. Auf dem Hügelkamm konnte man die eingesunkenen Kraterränder eines lange erloschenen Vulkans erkennen.
Guettard und sein Begleiter suchten nach diesem Ausblick einen in der Gegend ansässigen Naturforscher auf, der sich bereiterklärte, sie zu führen. Gemeinsam erklommen sie den Puy de Dome, die größte Erhebung der Auvergne, und konnten von ihrem 500 Meter hoch gelegenen Aussichtspunkt sehen, dass überall ringsum kegelförmige Hügel lagen, die typisch für eine Vulkanlandschaft sind.
Was Guettard entdeckt hatte, war schon lange vorher den Römern bekannt gewesen, aber während des Mittelalters in Vergessenheit geraten. C14 Analysen von in der Lava erhaltenen Holzstücken, die ein Alter von 6000 Jahren ergaben, lassen darauf schließen, dass wohl auch die früheren Bewohner der Auvergne über die Feuernatur ihrer Berge informiert waren.
Guettard übersandte der französischen Akademie im Mai 1752 ein Dokument, das eindeutig und unwiderlegbar den einstigen Vulkanismus im Herzen Frankreichs dokumentierte.
Diese bahnbrechende Arbeit spaltete die späteren Geologen in 2 Lager: die Plutonisten und die Neptunisten. Hauptsächlich beschäftigte sich dieser Streit mit der Entstehung von Granit und Basalt, den in der Erdkruste am meisten vertretenen Gesteinen. Die unmittelbaren Erben Guettards, die Plutonisten, nahmen an, dass diese Gesteine sich in einer Schmelze im heißen Erdinneren bilden.
Die Neptunisten, ihren Namen vom römischen Meeresgott ableitend, nahmen dagegen an, dass sämtliche Merkmale der Erde auf dem Grunde eines einst die ganze Erde bedeckenden Ozeans gebildet worden seien. Basalt und Granit, so behaupteten sie leidenschaftlich, hätten sich durch einen chemischen Vorgang aus Flüssigkeiten ausgefällt, so wie der Kesselstein in einem oft benutzten Wassertopf abgelagert wird.
Einig waren die beiden Parteien nur in der Annahme, dass Sedimente auf dem Grund des Meeres gebildet würden.
Da die Theorie der Neptunisten sich am besten mit der Schöpfungsgeschichte deckte, fanden diese in den Anfängen sehr viel mehr Anhänger. Als jedoch später Lava als Basaltgestein eingestuft wurde und der vulkanische Ursprung aller basaltischen Gesteine erkannt wurde trugen die Plutonisten den Sieg davon.

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