Vulkan, Vulkane und Vulkanismus

Vulkane, Vulkanismus und die Folgen von Vulkanausbrüchen

von Ulrike Köhler

1. Vulkane in der Historie

Vulkanismus und der Mensch

Da Vulkane auf der Erde schon seit Urzeiten existieren, liegt es nahe, dass nicht nur die heutige Wissenschaft, sondern auch die Generationen lange vor unserer Zeit sich mit diesen Naturerscheinungen auseinandergesetzt haben. Dabei variierten die verschiedenen Betrachtungsweisen ungeheuer, und keine kam wohl den heutigen Forschungsergebnissen sehr nahe. Die Griechen sahen in den Vulkanen die Wohnstätte des Hephaistos. Der Gott des Feuers war laut den damals entstandenen Sagen durch seine Mutter Hera von den Höhen des Olymps gestürzt worden und arbeitete daraufhin gemeinsam mit Zyklopen in jenen ungeheuren Schmieden, als die man Vulkane ansah. Die Legende erzählt, dass er wahnsinnige, eben geradezu eruptive, Wutanfälle bekam, als er erfuhr, dass ihn seine Frau, die Göttin Aphrodite betrog.
Interessant ist, dass bei den Römern diese Erklärung in gleicher Weise existierte, nur war dort selbstverständlich Hephaistos ersetzt mit Volcanus und es war nicht Hera, sondern Iuno, die ihn in die Unterwelt gestürzt hatte. Die Rolle der untreuen Ehefrau übernahm Venus.

Erste Forschungen

Die Beschäftigung des Menschen mit Vulkanen reicht bis in weite Vorzeit zurück. Jahrhundertelang siedelten Menschen in Vulkanlandschaften, meist ohne zu ahnen, dass die von ihnen bewirtschafteten Felder ihre Fruchtbarkeit dem scheinbar grünen Berg in ihrer direkten Nachbarschaft zu verdanken hatten.
Die Philosophen und Naturkundigen der Antike waren es, die viele topographische Merkmale der Erde mit Vulkanismus in Verbindung brachten, aber in dem langen Jahrtausend, welches den Untergang Roms von der modernen Wissenschaft trennte, ging diese historische Einsicht verloren.
Als dann das Interesse an der Entstehungsgeschichte der Erde wieder aufzuflackern begann, gab man sich dem universellen Glauben hin, das Erscheinungsbild der Erdoberfläche sei die Folge der großen Sintflut, von dem die Bibel berichtet. Auch bequem für die damals sehr mächtige Kirche war die ebenfalls populäre These von einem am zweiten Tage der Schöpfung erschaffenen Ur-Ozean, der die Erde einst umfing. Mit diesem Ansatz konnte man praktischerweise auch die merkwürdigen fossilen Fischüberreste in den Alpen, hunderte Kilometer vom nächsten Meer, erklären.
Die damals schon bekannten Sedimentgesteine aus Ablagerungen wie Schlick, Sand und organischen Stoffen passten perfekt in dieses Bild, Vulkane dagegen blieben ein Rätsel, das den biblischen Erzählungen zu trotzen schien.
Zwar gelang es einem italienischen Gelehrten namens Antonio-Lazzaro Moro um 1720 ein Traktat zu veröffentlichen, in dem er behauptete, dass sämtliche Landmassen über dem Meeresboden durch eine Reihe von Vulkanen im Meer hervorgeschleudert worden seien. Tatsächlich wurde diese These von den kritischen Kirchengelehrten akzeptiert, allerdings hatte Moro einen hohen Preis für die Akzeptanz gezahlt: seine Begründung lautete lediglich „Es war der Wille des Schöpfers“.
Weit bis ins 18. Jahrhundert blieb die These vom Urozean unangetastet, ungeachtet der ständigen spektakulären Beweise für aktiven Vulkanismus durch die Vulkane Ätna, Vesuv und Stromboli im Mittelmeerraum. Die dort erfolgten Beobachtungen tat man als bizarre lokale Phänomene ab, denen keinerlei Bedeutung in großem, globalem Zusammenhang beigemessen werden könne.

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